Vortrag: "Nebenwirkungen und Nebenwirkungsmanagement von Psychopharmaka und Einfluss auf die Fahrtauglichkeit" [3 CME]

Mi, 13.07.2016 16:30 - 19:00 Referent: Prof. Dr. med. van Calker, Universitätsklinikum Freiburg, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Im Forum der Rhein-Jura Klinik in Bad Säckingen

 

Wie alle Medikamente haben auch Psychopharmaka Nebenwirkungen, die erwünscht sein können (z.B. sedierende Wirkungen bei Schlafstörungen), meistens aber unerwünscht sind (z.B. sexuelle Funktionsstörungen). Der Abstand zwischen den Dosiswirkungskurven für die erwünschten und die unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) bestimmt die Verträglichkeit und Sicherheit eines Medikamentes. Wesentliche UAW von trizyklischen Antidepressiva sind bedingt durch die Blockade von Neurotransmitter-Rezeptoren (z.B. Muskarin-, Histamin H1-, adrenerge α1-, Dopamin D2-Rezeptoren), und verursachen UAW wie Akkomodationsstörungen, Gewichtszunahme, orthostatische Hypotension und Hyperprolaktinämie). UAW von SSRI sind dagegen vorwiegend bedingt durch agonistische Wirkungen, z.B. an 5HT2- (Agitiertheit) und 5HT3- Rezeptoren (Übelkeit). Gefährliche UAW von Stimmungsstabilisieren sind die Nephropathie bei langjähriger Lithiumtherapie, das polycystische Ovarial-Syndrom und die Enzephalopathie bei Valproat, sowie schwere allergische Hautreaktionen bei Lamotrigin. Klassische Antipsychotika (AP) verursachen vor allem extrapyramidal-motorische UAW sowie Prolactinerhöhung, Probleme der moderneren AP sind vor allem Akathisie (Risperidon, Aripiprazol), Prolaktinerhöhung (Risperidon, Amisulprid) sowie Sedierung und Gewichtszunahme (Quetiapin, Olanzapin). Unter Umständen können UAW lebensgefährliche Syndrome hervorrufen, z.B. das Serotonin-Syndrom oder delirante Syndrome. Insbesondere Kombinationen von Psychopharmaka sollten genau auf mögliche synergistische Interaktionen überprüft werden. Alle Psychopharmaka können die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen oder sogar aufheben, dies insbesondere in der Phase der Aufdosierung. Die SSRIs haben hier wohl den geringsten negativen Einfluss, bei sedierenden Antidepressiva sowie bei Antipsychotika ist Vorsicht geboten.

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