Verhaltensmedizinisches Grundkonzept

Verhaltensmedizinisches Grundkonzept
Verhaltensmedizinisches Grundkonzept

Welchen Ursprung haben Gesundheit und Krankheit?

Sind sie genetisch bedingt, körperlich grundgelegt, sozial beeinflusst oder psychisch verursacht? Die heutige Forschung zeigt uns: Weder noch - sondern: sowohl als auch! Bei der Erklärung und Entstehung und/oder Aufrechterhaltung von Gesundheit und Krankheit sind biologische, psychologische und soziale Faktoren zu berücksichtigen. Kaum jemand wird auch bezweifeln, dass körperliches und seelisches Befinden sich gegenseitig beeinflussen und dass sich körperliche Krankheiten auch auf einer psychischen Ebene äußern - wie sich auch umgekehrt seelische Beschwerden körperlich ausdrücken. Menschen, die chronisch unter Schmerzen leiden, können traurig und depressiv werden; und Menschen, die depressiv sind, können aus ihrer Stimmungslage heraus mehr oder weniger essen, was sich auch auf körperlicher Ebene zeigen wird, als Unter- oder Übergewicht.

Diese Zusammenhänge sind mit dem Begriff "Psychosomatik" gemeint. Anhaltende Krankheit erzeugt Stress, wie auch Stress krank macht. Stress führt zur Ausschüttung von Stresshormonen - diese wirken sich längerfristig auf unsere Emotionen (z.B. Zunahme von Angst, Hilflosigkeit, Depressivität), unser Verhalten (z.B. vermehrtes Essen, mehr Alkohol, Inaktivität oder vermehrte Aktivität) und unsere Immunabwehr (z.B. erhöhte Infektanfälligkeit) aus. Traditionell ist die Psychosomatik als Fach in der Medizin überwiegend psychoanalytisch ausgerichtet gewesen. In dieser Denklinie wurden und werden bestimmte Körperzustände und Erkrankungen mit seelischen Konflikten in Verbindung gebracht, z.B. in Form des Hysteriekonzeptes.

Die Verhaltensmedizin ist demgegenüber eine verhaltenstherapeutisch orientierte Psychosomatik, die entlang eines bio-psycho-sozialen Modells von Gesundheit und Krankheit vor allem in den Blick nimmt, was von Krankheit Betroffene selbst tun können, um wieder gesund zu werden oder mit den Folgen z.B. chronischer Erkrankungen in einer Weise umzugehen, dass sie weniger darunter leiden. Das bedeutet, das Ziel bei der Erhaltung von Gesundheit und im Umgang mit Beschwerden, egal ob körperlicher oder psychischer Natur, ist Kompetenz.

Umgekehrt geht die Verhaltensmedizin davon aus, dass Gesundheit und Krankheit nicht sich ausschließende Zustände sind, sondern ein Fließgleichgewicht darstellen: Wir sind mehr oder weniger gesund - wie krank wir uns erleben, hat etwas mit unseren wahrgenommenen Einflussmöglichkeiten auf die Erkrankung zu tun. Je besser wir mit Krankheitssymptomen (sei es bei einer Depression oder einem Diabetes oder beidem gleichzeitig) umgehen können und je besser wir das im Leben umsetzen, wovon wir wissen, dass es uns gesund erhält, desto gesünder empfinden wir uns.

Bei dem bio-psycho-sozialen Ansatz der Verhaltensmedizin geht es jedoch nicht allein um Verantwortung für sich selbst. Es geht hier auch darum, das gesamte Spektrum an möglichen Diagnostik- und Behandlungsansätzen zur Wiederherstellung und Verbesserung der Gesundheit und der weiteren, unbeeinträchtigten Teilhabe am Leben zu nutzen, wie wir es an der Rhein-Jura Klinik im Verbund mit dem Universitätsklinikum Freiburg und niedergelassenen Konsiliarärzten vor Ort anbieten:

  • Wissenschaftlich geprüfte störungsspezifische Methoden der Verhaltenstherapie bei psychischen Störungen (z.B. bei Depression, Burnout-Syndrom, Angst, Zwang, Essstörungen, Sucht), psychosomatischen Beschwerden (z.B. bei chronischen Schmerzen, stressbedingten Erkrankungen) und körperlichen Erkrankungen (z.B. bei und nach Krebserkrankungen, nach einem Herzinfarkt bei Diabetes mellitus oder bei Hauterkrankungen) (siehe störungsspezifische und störungsübergreifende Psychotherapie)
  • zusätzliche störungsübergreifende Methoden der Verhaltenstherapie (z.B. in Form von Stressbewältigung, Fertigkeitentraining, Kommunikationstraining, des Trainings sozialer Kompetenz, Krankheitsbewältigung) (siehe störungsspezifische und störungsübergreifende Psychotherapie)
  • wissenschaftlich geprüfte medikamentöse Therapie (siehe Pharmakotherapie); - ergänzende, ebenfalls empirisch abgesicherte Therapieverfahren, z.B. aus dem Bereich der Ergo-, Sport-, Bewegungs-, Kunst- und Musiktherapie (siehe "Begleittherapie")
  • sozialarbeiterische Unterstützung, z.B. bei sozialrechtlichen Fragen (siehe "Begleittherapie")
  • aktuelle diagnostische Verfahren zur Entdeckung psychischer und somatischer Erkrankungen
  • engmaschige pflegerische Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags (bei uns in der Klinik, aber auch bei der Vor- und Nachbereitung von Erprobungen im häuslichen Umfeld).

In dieser Herangehensweise an Probleme bzw. Erkrankungen wird auch ein ganzheitliches Menschenbild deutlich - das biologische, psychologische und soziale Faktoren gleichermaßen berücksichtigt.