Rhein Jura Klinik Glossar

Bewegungstherapie

Bewegungstherapie ist die ärztlich indizierte und verordnete Bewegung, die von einem Fachtherapeuten geplant und dosiert, gemeinsam mit dem Arzt kontrolliert und mit dem Patienten alleine oder in der Gruppe durchgeführt wird. Die Bewegungstherapie in der Psychiatrie hat eine wichtige Funktion gerade für die Patienten mit psychischen Problemen und Erkrankungen, die sich auch in ihrer eigenen Körperlichkeit beeinträchtigt fühlen. In derBewegungstherapiewerden unterschiedlichste Sportarten eingesetzt, um das Körpergefühl zu verbessern, soziale Interaktion zu ermöglichen, die Konzentration zu steigern und der eigenen Belastungsgrenzen zu erkennen und ggfls. auszubauen.


Bipolare Störung

Unter ’bipolare Störung’ oder auch ’manisch-depressive Störung’ versteht man eine affektive Erkrankung, die durch wiederholte (d. h. wenigstens zwei) Episoden charakterisiert ist, in denen Stimmung und Aktivitätsniveau des Betreffenden deutlich gestört sind. Phasen der Manie werden abgewechselt von Zeiten der Depression. Die typischen Symptome der Manie sind neben unbegründet gehobener Stimmung rastlose Aktivität und Unruhe, Rededrang und Verlust sozialer Hemmungen, unkontrollierter Umgang mit Geld, Alkohol- und Drogenkonsum sowie ein niedriges Schlafbedürfnis. Dagegen sind die Symptome in der Depression oft Schwermut, Freud- und Mutlosigkeit, Interessenverlust, gesteigerte Ermüdbarkeit, Grübeln, Verlust des Selbstvertrauens, Ängste und Pessimismus, Schuldgefühle und vermindertes Konzentrationsvermögen. Die Erkrankung wird meistens mit drei aufeinander aufbauenden Therapieverfahren behandelt. Befindet sich der Betroffene zum Zeitpunkt der Diagnose in einer akuten Phase, kommt die Akutbehandlung zum Einsatz. Hierbei wird versucht, den Betroffenen aus seiner derzeitigen Phase herauszuholen und den Leidensdruck zu nehmen. Nach Normalisierung der Stimmungslage folgt die Erhaltungstherapie, in der der Betroffene stabilisiert werden soll.
Durch die sog. Rückfallvorbeugung kann das Rückfallrisiko gesenkt werden. Dabei wird dem Betroffenen auch geholfen, sich wieder ins soziale Umfeld und in den Beruf einzugliedern. In den meisten Fällen wird die Therapie mit Medikamenten unterstützt. Daneben werden i. d. R. zusätzlich Gesprächs- und Gruppentherapien verordnet.


Borderline-Störungen

Das Borderline-Syndrom wird auch als Borderline-Störung bezeichnet und zählt zu den Persönlichkeitsstörungen. Die Borderline-Störung ist gekennzeichnet durch ein fortlaufendes Muster von Instabilität in sozialen Beziehungen, im Selbstbild und der Stimmung. Menschen mit Borderline-Syndrom sind nicht in der Lage ihre Gefühle zu regulieren und reagieren oft impulsiv. Ihre Gefühlslage ist sehr wechselhaft: Bei meist gedrückter Stimmung können Phasen starker Erregung, Angst, Verzweiflung oder auch Wut auftreten, die die Betroffenen kaum kontrollieren können. Zugleich berichten Menschen mit Borderline-Syndrom über ein Gefühl innerer Leere. Borderline kann daher auch als emotional-instabile Persönlichkeitsstörung bezeichnet werden.
Borderline zeigt sich zum Beispiel in einer Abfolge intensiver, aber häufig wechselnder Beziehungen. Zunächst wird der Partner oft idealisiert und für sich eingenommen, dann jedoch rasch abgewertet, wenn er die Erwartungen nicht erfüllen kann. Häufig zeigen Menschen mit Borderline-Syndrom ein selbstgefährdendes Verhalten. So konsumieren sie beispielsweise Drogen, fahren zu schnell Auto oder verspielen ihr Geld. Aber auch direkte Selbstschädigungen treten im Rahmen der Borderline-Störung auf: Die Betroffenen fügen sich Schnittverletzungen oder Brandwunden zu oder drohen mit Selbstmord. Hintergrund ist oft, ein ’Verlassenwerden’ zu vermeiden, aber auch, sich selbst zu bestrafen oder zu spüren. In der Lebensgeschichte der Betroffenen finden sich häufig massive Missbrauchserfahrungen oder andere traumatische Erlebnisse wie etwa körperliche Gewalt.
Die Therapie des Borderline-Syndroms erweist sich als schwierig: Da der Betroffene emotional instabil ist, kann auch die zwischenmenschliche Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Betroffenem darunter leiden. Im Vordergrund der Therapie steht, die Person im Alltag zu stabilisieren. Anschließend können die traumatischen Erfahrungen, die als Ursache für die Borderline-Störung angesehen werden, bearbeitet werden.
Der Begriff Borderline entstand aus der Annahme, dass sich die Erkrankten im Grenzbereich (engl. Borderline) zwischen Neurose und Psychose bewegen.


Bulimie

Die Bulimie wird auch als Ess-Brech-Sucht bezeichnet. Typische Eigenschaften der Bulimie sind  Anfälle von Heisshunger mit Essattacken und anschliessendes Erbrechen. Auch die Einnahme von Abführmitteln und die übertriebene Gewichtskontrolle gehören zum Krankheitsbild der Bulimie. Meist sind Mädchen im Pubertätsalter und junge Frauen von der Ess-Brech-Sucht betroffen.


Burn-out / Burnout

Unter Burnout versteht man die Erschöpfung der seelischen und körperlichen Reserven. Viele Burnout Betroffene berichten von einem Gefühl des Ausgebranntseins, Innerer Leere und Distanz bzw. Entfremdung zu ihrer Arbeit. Burnout tritt besonders häufig bei helfenden Berufsgruppen wie Lehrern, Polizisten und Angehörigen der Gesundheitsberufe  auf. Aber auch viele andere Dienstleistungsberufe, Positionen im mittleren und oberen Management sind durch ihre scheinbare Unbewältigbarkeit der Aufgaben, ihr hohes Maß an Verantwortung bei gleichzeitig sehr stark eingeschränkten Gestaltungsspielraum als Burnout gefährdet anzusehen. Folge dieses Burnout-Syndroms sind dann oft Depressionen, die, wenn sie nicht behandelt werden, die Alltagsfähigkeit, Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität des Betroffenen und seines Umfeldes sehr stark beeinträchtigen können. In vielen Fällen erleben und bezeichnen dann die Betroffenen die Symptome der Depression als „Burnout“, obwohl mit der Depression bereits eine Folgeerkrankung des Burnout-Phänomens aufgetreten ist.  Darum sollte Burn-out als ernstzunehmendes Symptom interpretiert werden, das am besten mit innerbetrieblichen Burnout-Präventionsprogrammen vermieden werden kann. Vor allem die Folgeerkrankung Depression stellt ein behandlungsbedürftiges Krankheitsbild dar, bei dem in vielen Fällen auch eine frühzeitige ärztliche Hilfe nötig ist.