Rhein Jura Klinik Glossar

Chronische Schmerzen / Chronisches Schmerzsyndrom

Chronische Schmerzen sind Schmerzen, die länger als sechs Monate anhalten. Chronische Schmerzen werden mit der Zeit zu einem eigenständigen Krankheitsbild (’Schmerzkrankheit’), welches körperliche, seelische und soziale Fähigkeiten der Betroffenen beeinflusst. Auf körperlicher Ebene führen chronische Schmerzen zu Bewegungsarmut, Schonhaltungen zur Vermeidung von Schmerzen führen zu Fehlbelastungen der Gelenke und Muskulatur.
Im seelischen Bereich können chronische Schmerzen zu depressiven Verstimmungen, Müdigkeit, Erschöpfung und dem Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit führen.
Sehr häufig ziehen sich Menschen mit Chronischem Schmerzsyndrom zunehmend aus ihren soziale Beziehungen in Familie, Beruf und Freundeskreis zurück. Die daraus folgende soziale Isolation wird für die Betroffenen und deren Angehörige zu einer schweren Belastung.


Was ist CBASP?

In der Rhein-Jura Klinik werden Patienten, die an chronische Depressionen leiden, nach dem CBASP-Ansatz behandelt. Hinter dem wenig griffigen Begriff "Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy" (CBASP; James McCullough, 2000) verbirgt sich eine der interessantesten Entwicklungen der kognitiven Verhaltenstherapie der letzten Jahre, der über die USA kommend nun auch vermehrt Einzug in der Psychotherapie des deutschsprachigen Raumes gefunden hat. Der Ansatz integriert auf neuartige Weise behaviorale, kognitive, psychodynamische sowie interpersonelle Strategien.

CBASP-Therapeuten gehen davon aus, dass chronische Depressionen ihren Ursprung oft in der Kindheit oder Jugend der Patienten haben. Überdurchschnittlich häufig lässt sich bei diesen Patienten in Studien eine frühe Verlusterfahrung, eine emotionale Vernachlässigung oder eine Missbrauchserfahrung feststellen. Aus diesen Traumata können ungünstige kognitive und soziale Lernbedingungen für ein Kind oder einen Jugendlichen entstehen, die Entwicklungsprozesse behindern. Tritt eine Depression ein, werden die Lern- und Entwicklungsbedingungen noch schlechter. Personen mit chronischer Depression haben häufig eine verzerrte Selbstwahrnehmung und Verarbeitung ihrer zwischenmenschlichen Erfahrungen. Als eine Kompensation dieser Defizite haben sie sich oft einen "Verhaltensstil" im zwischenmenschlichen Umgang angeeignet, der wiederholtes Scheitern mit sich bringt. Typisch ist weiterhin ein großes Maß an Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit gegenüber den eigenen Problemen, eine geringe Selbstachtung und daraus resultierend ein häufig selbst- und fremdabwertendes Verhalten.

Als Ziele der CBASP-Therapie in der Rhein-Jura Klinik werden daher

  1. das Erkennen der Konsequenzen des eigenen Verhaltens,
  2. der Erwerb von authentischer Empathie,
  3. das Erlernen von sozialen Problemlöse-Fertigkeiten und Bewältigungsstrategien und
  4. ein Heilungsprozess in Bezug auf frühere Traumata definiert.

Die Schwerpunkte der CBASP-Therapie in der Rhein-Jura Klinik liegen zum einen in einer spezifischen Strategie – der Situationsanalyse und einem sich daran anschließenden Verhaltenstraining – zum anderen in interpersonellen Strategien zur Gestaltung der therapeutischen Beziehung. Anhand der Situationsanalyse sollen unsere Patienten lernen, eine kausale Beziehung zwischen den Verhaltens- und Denkmustern und den jeweiligen Konsequenzen herzustellen. Die interpersonellen Strategien ermöglichen eine auf die Bedürfnisse chronisch Depressiver angepasste Rolle des Therapeuten. Dazu gehört, dem Patienten zu helfen zwischen altvertrauten ungeeigneten Beziehungsmustern und dem Verhalten des Therapeuten oder anderer Personen zu unterscheiden. Darüber hinaus beinhaltet die Therapiemethode, dass sich unsere Therapeuten in einer bewussten und kontrollierten Weise ganz persönlich beim Patienten einbringen, damit der Patient seine eigene destruktive Entwicklungsgeschichte erkennen und revidieren kann.

Der CBASP-Ansatz geht auf die speziellen Probleme chronisch depressiver Menschen wie folgt ein:

  1. Die wichtigen lebensgeschichtlichen Themen (Prägung) werden bei den Patienten mithilfe einer spezifischen Technik zusammengestellt und ihre aktuelle Bedeutung (Übertragungshypothese) wird herausgearbeitet.
  2. Durch Situationsanalysen wird die Fähigkeit, Probleme in sozialen Beziehungen auf formal operatorische Weise (im Sinne des Entwicklungspsychologen Jean Piaget) zu lösen, gefördert.
  3. Durch die so genannte Diskriminationsübung werden rigide, verfestigte Verhaltensmuster, die weder durch positive noch durch negative Ereignisse beeinflussbar zu sein scheinen, modifiziert.
  4. Die Patienten werden angeleitet, ihre Wirkung auf die Umwelt systematisch wahrzunehmen.
  5. Therapeuten lassen sich kontrolliert und persönlich auf die Patienten ein.

In der Rhein-Jura Klinik wird Psychotherapie nach dem CBASP-Ansatz von geschulten Therapeuten durchgeführt. Neben der Einzeltherapie bieten wir mehrere CBASP spezifische Gruppen-Therapien an, in denen an den typischen Problemen von chronisch Depressiven gearbeitet wird.

Die CBASP Supervision für unsere Therapeuten erfolgt durch Prof. Dr. Dipl. Psych. Eva-Lotta Brakemeier von der Psychologischen Hochschule Berlin. Frau Prof. Brakemeier ist auch im Wesentlichen für die Einführung der Therapiestandards und wissenschaftlichen Begleitung verantwortlich.