Persönlichkeitsstörungen

Häufig entwickeln sich depressive Erkrankungen und andere psychische Krankheiten auf dem Boden von Persönlichkeitszügen, die eine Person im Laufe ihres Lebens als Reaktion auf biographische Ereignisse, familiäre Vorgeschichte und Beziehungen entwickeln kann.

Jeder Mensch hat einen eigenen Charakter, eine eigene Art und Weise, mit seiner Umwelt zu interagieren, jede(r) von uns wird durch seine Erfahrungen im Laufe des Lebens geprägt. Ob jemand eher schüchtern ist oder eher dominant und (scheinbar) selbstbewusst auftritt, ob jemand sehr impulsiv handelt oder im Gegenteil alles erst sehr akribisch planen muss, bevor er handelt, ist zunächst mal noch nicht krankheitswertig oder behandlungsbedürftig. Die entscheidende Frage ist, wie flexibel uns diese Persönlichkeitszüge noch sein lassen bzw. wie stark wir in unseren Handlungsmöglichkeiten von ihnen eingeengt sind.

Wenn in der Behandlung festgestellt wird, dass Persönlichkeitszüge ein funktionales Handeln im persönlichen und sozialen Bereich deutlich erschweren, führen wir bei Einverständnis des Patienten eine Diagnostik bezüglich einer Persönlichkeitsstörung durch und beziehen die Persönlichkeitsstörung als zugrundeliegenden Faktor der Erkrankung wesentlich in die Behandlung mit ein. Dies garantiert ein nachhaltigeres Behandlungsergebnis als die reine Fokussierung auf die vorherrschende Symptomatik (z.B. die Depression), wobei auch diese parallel unbedingt mitbehandelt werden muss, um überhaupt erst die Basis für die psychotherapeutische Behandlung der Persönlichkeitsstörung zu schaffen. Da eine Persönlichkeitsstörung sich über viele Jahre entwickelt hat und teilweise stark in die Selbstwahrnehmung der Person Eingang gefunden hat, ist es nicht das Ziel, sie "zu heilen". Es geht vielmehr darum, sich trotz der bestehenden Persönlichkeitszüge wieder größere Freiheitsgrade zu schaffen und in manchen Bereichen schädliches Verhalten abzubauen, das aus den Überzeugungen resultiert, die mit der Persönlichkeitsstörung zusammenhängen.

Da die Behandlung einer Persönlichkeitsstörung langwierig ist und ausschließlich psychotherapeutisch erfolgen kann, legen wir hier im stationären Rahmen zunächst die Grundsteine für die sich zwingend anschließende ambulante Psychotherapie.

Das ICD-10 unterscheidet folgende Persönlichkeitsstörungen:
  • F60.0 paranoide Persönlichkeitsstörung
  • F60.1 schizoide Persönlichkeitsstörung
  • F60.2 dissoziale Persönlichkeitsstörung
  • F60.3 emotional instabile Persönlichkeitsstörung
  • F60.4 histrionische Persönlichkeitsstörung
  • F60.5 zwanghafte Persönlichkeitsstörung
  • F60.6 ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung
  • F60.7 abhängige Persönlichkeitsstörung