Phobien

Wann wird aus Angst eine Krankheit?

Eine „normale, gesunde“ Angst warnt den Körper vor Gefahr und versetzt ihn in einen Zustand, um diese Bedrohung bewältigen zu können. Angst kann jedoch auch solche Ausmaße annehmen, dass ein Krankheitswert entsteht. Man spricht von einer Angststörung, wenn über einen längeren Zeitraum

  • die Angst unangemessen stark, d.h. übertrieben ist oder unbegründet ist, und der Betroffene dies auch erkennt
  • die Angstsituation vermieden wird oder nur unter größter Anstrengung oder mit Beruhigungsmitteln ausgehalten werden kann
  • bei Auseinandersetzung mit den angstauslösenden Faktoren oder allein dem Gedanken daran eine körperliche Angstreaktion (z.B. Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Schwindel) entsteht
  • starker Leidensdruck

entsteht.

Eine Untergruppe dieser Angststörungen sind Phobien. Darunter versteht man die unverhältnismäßig starke Angst vor spezifischen Objekten oder Situationen (Höhe, Fliegen, Krankheiten, …) und die Sozialphobie (Angst vor Blamage oder davor, um Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen sowie vor anderen sozialen Situationen).

Phobien gehören zu den häufigsten psychischen Störungen- man schätzt, dass etwa zehn Prozent der deutschen Bevölkerung darunter leiden. Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden an Sozialphobie. Phobien beginnen häufig bereits im Kindes- und Jugendalter und ziehen sich so über einen langen Zeitraum durch das Leben der Betroffenen.

Wie entstehen unverhältnismäßig starke Ängste?

Die Entstehung von Ängsten ist selten auf ein spezifisches Ereignis zurückzuführen und ist häufig auf mehreren Komponenten aufgebaut, die zusammenwirken können.

Auslöser für Phobien können belastende einmalige oder wiederholte Ereignisse und damit verbundene Lernprozesse sein welche Verunsicherung erzeugen, z.B. ein Sturz als Auslöser für Höhenangst oder eine Blamage in einer sozialen Situation als Auslöser der Sozialphobie.

Dem voraus geht häufig ein „Lernen am Modell“, also die Übernahme von unsicheren oder ängstlichen Mustern von Vorbildern wie den Eltern, zum Beispiel nach Beobachtung ängstlichen Verhaltens. 

Außerdem können gedankliche Prozesse eine Rolle spielen, beispielsweise falsche oder verzerrte Informationen oder Annahmen über die Gefährlichkeit der Situation.

Eine wesentliche Rolle bei der Aufrechterhaltung der Ängste spielt die Vermeidung der Auseinandersetzung mit der angstauslösenden Situation durch örtliches Vermeiden, oder Sicherheitsverhalten wie Begleitung durch eine andere Person oder „Hilfsmittel“ wie Tabletten und Alkohol. Dies verhindert die Lernerfahrung, dass die Situation nicht so gefährlich ist wie befürchtet.

Wie wird eine Phobie behandelt?

Bei sozialer Angst und anderen Phobien werden folgende Ebenen der Symptomatik unterschieden:

  • Ebene der Gedanken: Gefühle und Gedanken des Versagens, Katastrophengedanken, angstgeladene Erwartungshaltungen, falsche Informationen zur Gefährlichkeit
  • Körperliche Ebene: Schwitzen, Zittern, Erröten, Herzklopfen, Magen-Darm-Beschwerden usw.
  • Ebene des Verhaltens: Vermeidung einer gefürch¬teten Situation oder Ertragen unter intensiver Angst

Aus dieser Aufteilung leiten sich die Behandlungsprinzipien der erfolgreichsten Behandlungsmethode der Phobien, der kognitiven Verhaltenstherapie, ab:

  • Informationsvermittlung zur Angst und Erarbeitung des individuellen Krankheitsmodells
  • Veränderung der oft automatischen Denkmuster der Person („ich schaff das nicht!“) und ein Heranführen an Neubewertungen der Person und Situation
  • verbesserten Umgang mit körperlichen Angstreaktionen erlernen (z.B. Achtsamkeitstraining, Entspannungsverfahren)
  • Exposition: Abbau der Vermeidungsstrategien durch Erlernen neuer Bewältigungsmöglichkeiten und durch individuell angepasstes, geleitetes Heranführen an die Auslöser der Angst- bis die Angst abklingt oder die Erfahrung gemacht wird, dass der Auslöser ungefährlich ist (z.B. im Rahmen der Sozialphobie durch soziales Kompetenztraining in der Gruppe). Diese Möglichkeit in der angstbesetzen Situation neue Erfahrungen zu machen ist das wichtigste und effektivste Behandlungselement. 
Phobie

Eine Phobie ist ein starkes Angstgefühl, das in bestimmten Situationen auftritt oder beim Anblick bestimmter Dinge ausgelöst wird, und den davon betroffenen Menschen immer mehr einschränkt.