Vortrag: "Suizid und Suizidpräventation" [3 CME]

Wed, 16.03.2016 16:30 - 19:00 Referent: Dr. med. Dr. h.c. Manfred Wolfersdorf, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Bayreuth Im Forum der Rhein-Jura Klinik in Bad Säckingen

 

Suizidales Denken, Erleben und Verhalten – Suizidideen, Suizidversuche, Selbsttötung – gehört zum Menschen, seit es sie gibt. Die Bewertung suizidalen Verhaltens reicht in der Menschheitsgeschichte von Verurteilung als Verstoß gegen göttliche Vorgabe – der Mensch ist ein Geschöpf Gottes und hat als solches das Geschenk Leben nicht wegzuwerfen – mit der Zuordnung zu psychischer Krankheit, hier vor allem der Depression/Melancholie, bis hin zum Verständnis von Suizidalität als Ausdruck „letzter menschlicher Freiheit“ und Selbstbestimmung und als Ausdruck gesellschaftlicher Verpflichtung – z. B. Vermeidung in die Hand des Feindes zu fallen oder das Sichversterbenlassen eines siechen Menschen, um nicht zur Last seiner Gruppe zu werden. Das über Jahrhunderte hinweg gültige religiöse Paradigma wurden in den letzten beiden Jahrhunderten zunehmend durch ein „medizin-psychosoziales Paradigma von Suizidalität“ abgelöst, welches suizidales Verhalten als Ausdrucke eines psychischen Ausnahmezustandes von Krankheitswert im Sinne unseres heutigen Verständnisses von Erkrankung zuordnete. Suizidalität wird so zu einer Verhaltensweise, die allen Menschen zur Verfügung steht, an die jedoch insbesondere Menschen in emotionalen und psychosozialen Krisen und Menschen in psychischer Erkrankung sich annähern, da dann Wahrnehmung, Erleben von Situationen und insbesondere der eigenen Person und ihrer Möglichkeiten sowie Zukunftsperspektive krankhaft verändert sind. Absicht des Vortrages ist es, Denken, Erleben und Verhalten bei Menschen, die in suizidales Verhalten einmünden, näherzubringen und verstehbarer zu machen und daraus auch suizidpräventive Maßnahmen abzuleiten.

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