SYMPOSIUM: 4. Symposium der Deutschsprachigen Gesellschaft für Motivierende Gesprächsführung e.V. „Motivierende Gesprächsführung als Ressource in Medizin und Therapie“ www.degemg.org [9 CME]

Sa, 05.05.2018 09:00 - 15:00

 4. Symposium der Deutschsprachigen Gesellschaft für Motivierende Gesprächsführung e.V.

05. Mai 2018 in Bad Säckingen, Rhein-Jura Klinik

 

Motivierende Gesprächsführung als Ressource im Gesundheitswesen

Leitthema Die Motivierende Gesprächsführung nach Miller und Rollnick als klientenzentrierte und direktive Gesprächsmethode, hat sich als effektive Intervention zur Förderung der Änderungsmotivation von Klienten und Klientinnen etabliert. Im Rahmen des 4. Symposiums der DeGeMG e.V. soll ein besonderer Fokus auf das Potential der Motivierenden Gesprächsführung im Gesundheitswesen gelegt werden. Darüber hinaus folgt das Symposium der Aufforderung von Bill Miller nicht nur darüber zu sprechen, dass die Motivierende Gesprächsführung eine positive Veränderung in Klient*innen hervorlocken kann, sondern auch darüber, wie diese Art der Gesprächsführung auch Gutes für den Anwendenden bewirken kann. Entsprechend sollen im Rahmen von Expertenvorträgen und interaktiven Workshops beide Seiten beleuchtet werden.

Das Symposium bietet allen Anwendern und Interessierten der Motivierenden Gesprächsführung z.B. Anregungen, wie die Motivierende Gesprächsführung und ihre zugrundliegende Haltung in der ärztlichen Praxis integriert werden kann oder etwa in der Physiotherapie speziell bei der Planung von konkretem Gesundheitsverhalten unterstützen kann. Darüber hinaus findet ein Austausch dazu statt, wie die Motivierende Gesprächsführung uns im Umgang mit anspruchsvollen Klient*innen hilft und welche anderen Ansätzen komplementär eingesetzt werden können (z.B. Gewaltfreie Kommunikation).

Ausführlichere Informationen zu den Vorträgen und Workshops entnehmen Sie bitte diesem Dokument oder der Internetseite www.degemg.org/symposien-der-degemg/2018/ Auf dieser Homepage finden Sie auch eine Wegbeschreibung sowie eine Auswahl an Unterkünften in Bad Säckingen.

 

PROGRAMM (Download)

08:30 – 09:00

Registrierung, Begrüßungskaffee

09:00 – 09:15

Begrüßung durch den Vorstand der DeGeMG und Neuigkeiten aus den Verbänden

09:15 – 10:00

Vortrag: Niemand ändert sich auf Rezept. Warum Ärzte mit motivierender Gesprächsführung arbeiten sollten. (Dr. Thilo Beck)

10:00 – 10:15

Pause

10:15 – 11:00

Vortrag: Niemand plant zu versagen, aber die meisten versagen beim Planen – Der Planungsprozess im MI-Gespräch in der Gesundheitsversorgung (Prof. Dr. Thomas Messner)

11:00 – 11:30

Fragen und Diskussion im Plenum

11:30 – 12.30

Mittagspause

12:30 – 12:50

Kurvortrag: Wenn das „Säckchen der Verantwortung“ abgegeben wird: Die Effekte einer MI Ausbildung auf das psychische Wohlbefinden der Anwendenden (Paul Endrejat, Lea Volmerig, Simone Kauffeld)

12:50 – 13:10

Kurzvortrag: Synergie-Effekte aus MI & Gewaltfreier Kommunikation (Chris Schuh) 

13:10 – 13:30

Fragen und Diskussion im Plenum

13:30 – 13:45

Pause

13:45 – 15:45

Workshops

(1) MI-t Leichtigkeit gegen die Schwere: ein spielerischer Zugang (Franziska Linnhoff)

(2) Gewaltfreie Kommunikation: GFK nach Marshall B. Rosenberg (Christoph Schuh)

(3) Die Essenz von MI erleben (Maya Locher)

(4) Umgang mit anspruchsvollen Patient*en/Klient*en – Der Weg über die eigene Haltung (Rolf Jähnig)

(5) Kurzintervention mit MI (Samer Schleusener)

15:45 – 16:00

Pause

16:00 – 16:20

Reflexion der Workshops im Plenum

16:20 – 16:30

Verabschiedung durch den Vorstand

 

Hauptvorträge (09:15 – 11:00)

Niemand ändert sich auf Rezept. Warum Ärzte mit motivierender Gesprächsführung arbeiten sollten

Referent: Dr. Thilo Beck

Trotz der vielfach in Studien und in der klinischen Praxis aufgezeigten Wirksamkeit wird die Methode der Motivierenden Gesprächsführung von Ärzten kaum angewendet. Ein häufig gehörtes Argument ist die fehlende Zeit, sich in derartige Gespräche einzulassen. Ein immer noch tief im Selbstverständnis und in der Haltung von Medizinern verankertes paternalistisches Expertenkonzept verhindert dabei die Entwicklung eines wahrhaft kollaborativen Arbeitsstils: Trotz des expliziten Wunsches und der Bereitschaft, «mit dem Patienten zu arbeiten», bleibt die therapeutische Beziehung auf einer oberflächlichen Spielebene, ohne änderungsrelevante Motive zu aktivieren. Ausgehend von einer Analyse dieser Mechanismen und ihrer Hintergründe werden mögliche Strategien und Ansätze aufgezeigt, Motivierende Gesprächsführung und die zugrundeliegende Haltung in der ärztlichen Praxis zu integrieren

 

Niemand plant zu versagen, aber die meisten versagen beim Planen – Der Planungsprozess im MI-Gespräch in der Gesundheitsversorgung

Referent: Prof. Dr. Thomas Messner

In der Fachliteratur, in der Weiterbildung und in der Auseinandersetzung mit Motivational Interviewing spielt der Prozess des Planens häufig eine untergeordnete Rolle. In vielen Bereichen der Gesundheitsversorgung (Bsp. Physiotherapie) zeigen die Patienten jedoch oftmals bereits eine entsprechende Motivation, scheitern jedoch trotz hoher Intentionen und können ihren Absichten keine Taten folgen lassen. Der Prozess des Planens ist hier von großer Bedeutung. Im folgenden Vortrag wird dieser Prozess aus gesundheitspsychologischer Sicht beleuchtet. Weiterhin wird mit dem mentalen Kontrastieren eine MI-konforme Umsetzungsmöglichkeit vorgestellt.

 

Kurzvorträge (12:30 – 13:10)

Wenn das „Säckchen der Verantwortung“ abgegeben wird: Die Effekte einer MI Ausbildung auf das psychische Wohlbefinden der Anwendenden

Referenten: Paul Endrejat, Lea Volmerig, Simone Kauffeld

Der Vortrag beleuchtet die Annahme, dass MI Schulungen den Anwendenden nicht nur dabei helfen, mit ihrem Gegenüber „geschmeidig“ zu kommunizieren, sondern sich auch positiv auf das eigene Wohlbefinden auswirken. Wird die MI Haltung verinnerlicht, die besagt, dass das „Säckchen der Verantwortung“ zur Verhaltensänderung bei den Klienten/innen selbst liegt, sollte dies zu einer Steigerung der Resilienz führen. Endrejat et al. präsentieren in ihrem Vortrag Ergebnisse zu den Effekten einer MI Ausbildung auf die psychische Gesundheit der Teilnehmenden.

 

Synergie-Effekte aus MI & Gewaltfreier Kommunikation

Referent: Chris Schuh

Komplementär zur Anwendung von MI richtet die GFK („Gewaltfreie Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg) einen besonderen Fokus auf die Gefühle und Bedürfnisse aller Beteiligten und fördert dabei in hohem Maße Selbstklärung und Perspektivwechsel. Chris Schuh vermittelt einen Einblick in den kombinierten Einsatz von MI & GFK bei der Arbeit mit psychisch kranken Straftätern und zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Konzepte auf.

 

Workshops (13:45 – 15:45)

WS 1: MI-t Leichtigkeit gegen die Schwere: ein spielerischer Zugang

Leitung: Franziska Linnhoff

In unserer Arbeit mit Menschen, die oft viel Schweres mitbringen, ringen wir immer wieder darum, dass die Schwere nicht an uns haften bleibt. In diesem Workshop wollen wir uns auf spielerische Weise darüber

austauschen, wie MI uns ermöglicht, bei alledem die Leichtigkeit zu bewahren.

 

WS 2: Gewaltfreie Kommunikation: GFK nach Marshall B. Rosenberg

Leitung: Chris Schuh

Wie wir mit Hilfe der GFK unsere Beziehungen lebendiger gestalten und zu einem gelingenden Miteinander beitragen können. Durch bewusste Fokussierung auf Gefühle & Bedürfnisse bietet die "Gewaltfreie Kommunikation" ein bewährtes Instrument, das systematisch zu Verständigung, gegenseitiger Wertschätzung und gemeinsamer Lösungsfindung beiträgt. Der interaktive Workshop vermittelt Grundannahmen und Wirkweise der GFK und lädt zu einer neuen Haltung gegenüber uns selbst und unseren Mitmenschen ein.

 

WS 3: Die Essenz von MI erleben

Leitung: Maya Locher

Die Wirksamkeit von MI kennenlernen und gemeinsam vertiefen. Ob als Refresher oder erster MI Einblick: anhand von unterschiedlichen Übungsfeldern und spielerischen Inputs wird MI angewendet und erfahrbar gemacht.

 

WS 4: Umgang mit anspruchsvollen Patient*en/Klient*en – Der Weg über die eigene Haltung

Leitung: Rolf Jähnig

Streiten, Anpassung, dagegen sein, Unzugänglichkeit, Aggressivität, Passivität, ... im Berufsalltag treffen wir auf Menschen in unterschiedlichen Absichtslosigkeiten und Lebenslagen. Wie gelingt der fachliche Anspruch von Partnerschaftlichkeit - Akzeptanz - Mitgefühl? Drei Begriffe, die darüber hinaus das evokative Element entlocken können. Ein Versuch.

 

WS 5: Kurzintervention mit MI

Leitung: Samer Schleusener

Häufig sehen sich Therapeuten und Berater mit der Situation konfrontiert, wenig Zeit zu haben ein Anliegen oder ein Problem anzusprechen und Menschen zu etwas zu motivieren. MI bietet mit Hilfe von Kurzintervention die Möglichkeit mit nur begrenzter Zeit zielgerichtet auf eine Veränderungsmotivation hinzuarbeiten. Ziel des Workshops ist es, die Teilnehmenden mit MI-Kurzinterventionen vertraut zu machen und die Anwendung dieser zu üben.

 

 

Referent*innen

Dr. Thilo Beck ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit dem Schwerpunkt Psychiatrie und Psychotherapie der Abhängigkeitserkrankungen. Er ist in Zürich als Chefarzt Psychiatrie der Arud, Zentren für Suchtmedizin tätig. Die Arud steht für einen klientenzentrierten und zieloffenen therapeutischen Ansatz und ist als Weiterbildungsstätte für angehende Fachärzte Psychiatrie und Allgemeine Innere Medizin die größte Einrichtung für ambulante Suchtmedizin in der Schweiz.

 

Prof. Dr. Thomas Messner ist Professor für Gesundheitswissenschaften an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Lörrach. Er leitet den Studiengang Physiotherapie mit dem Schwerpunkt Patient Education & Health Behavior Change und beschäftigt sich in Forschung und Lehre mit den Themen Verhaltens- und Lebensstiländerung, Selbstmanagement und Motivational Interviewing. Ein Schwerpunkt dabei ist die Implementierung und Integration von MI in den medizinischen und physiotherapeutischen Alltag. Thomas Messner ist MINT Member und seit vielen Jahren als Trainer für die GK Quest Akademie tätig.

 

Dipl.-Psych. Paul C. Endrejat hat an der Universität Potsdam und der Universiteit Utrecht studiert und promoviert am Lehrstuhl für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie der TU Braunschweig. Seine Forschungsinteressen sind die Motivierende Gesprächsführung, Design Thinking, und die Steigerung des umweltbewussten Verhaltens von Mitarbeitenden an ihrem Arbeitsplatz. Darüber hinaus erforscht er, welchen Effekt es auf die Gesundheit von Mitarbeitenden hat, wenn sie es schaffen nach der Arbeit mental abzuschalten („Psychological Detachment“).

 

Lea Volmerig absolviert aktuell ein Bachelorstudium im Fach Psychologie an der TU Braunschweig. Ihr Forschungsinteresse liegt im Bereich der Motivierenden Gesprächsführung. Über dieses Thema schreibt sie ebenfalls ihre Bachelorarbeit.

 

Prof. Dr. Simone Kauffeld leitet den Lehrstuhl für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie der TU Braunschweig. In ihrer Forschungstätigkeit setzt sie sich mit den Themen Kompetenz, Team, Beratung, Führung und Veränderungsprozessen in Organisationen auseinander. Um ihre Konzepte der Praxis zugänglich zu machen, hat sie 2008 unter Beteiligung der TU Braunschweig die 4A-SIDE GmbH gegründet. Seit 2012 ist Prof. Dr. Simone Kauffeld als Mitglied des Präsidiums der TU Braunschweig zuständig für Fragen im Bereich Lehre und Diversity.

 

Chris Schuh arbeitet als Ergotherapeut in der Forensischen Psychiatrie und ist freiberuflicher Trainer für „Gewaltfreie Kommunikation“ (nach Marshall Rosenberg) und „Motivierende Gesprächsführung“ (nach Miller & Rollnick). Neben diverser Weiterbildungen u. a. zum „Psychologischen Berater“ (ALH) und „MI Coach & Supervisor“ (Quest), hat Chris Schuh langjährige Erfahrung in der Begleitung von psychisch kranken Straftätern und suchtkranken Menschen. Seine Themenschwerpunkte sind die Tertiäre Gewaltprävention und die Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen sowie Mitarbeiterschulungen und - coaching für multiprofessionelle Behandlungsteams in klinischen und sozialen Arbeitsfeldern.

 

M. Sc. Franziska Linnhoff hat in Münster Soziale Arbeit studiert und in Berlin die Ausbildung zur Suchttherapeutin M.Sc. abgeschlossen. Sie arbeitet als Suchttherapeutin in der DIAKO Nordfriesland, zunächst im Akutbereich, seit 2017 in der Rehabilitation Drogenabhängiger. 2015 hat sie die Ausbildung zur MI-Supervisorin/Coach bei der GK Quest abgeschlossen. In der DIAKO Fachklinik gibt sie regelmäßig MI-Seminare für die Mitarbeitenden. Seit 2016 ist sie in der Ausbildung zum Psychodrama Practitioner am Institut für Soziale Interaktion in Hamburg.

 

Rolf Jähnig, hat in München Soziale Arbeit (FH) studiert und arbeitete in verschiedenen Stellen der Münchner Suchthilfe. Er beschäftigt sich seit dem Studium mit Werten und Haltungen in der Gesellschaft und der Sozialen Arbeit und fand in der Motivierenden Gesprächsführung die passende Grundhaltung. Als ausgebildeter MI Coach/Supervisor arbeitet er freiberuflich für Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen u.A. mit den Themen Motivierende Gesprächsführung, Haltung, Konsumreduktion, Sucht, Selbstfürsorge, Kunst & Gesprächsführung.

 

Maya Locher hat in Zürich das Diplom zur Pflegefachfrau HF absolviert und Erwachsenenbildung Mas in adult und professional Education studiert. Sie arbeitet als Freischaffende Dozentin in unterschiedlichen Kontexten. Im Rahmen der Tätigkeit im Bildungsmanagement hat sie sich an der GK Quest zum Trainer Coach in MI weitergebildet und schult seit mehreren Jahren Basiskurse & Refresher in MI im Bereich Mental Health und in der Ausbildung von Auszubildenden und Lehrpersonen. Sie ist aktiv im Einbezug von Betroffenen in die Pflegeausbildung im psychiatrischen Setting. Ihr Fokus liegt im Bereich Training und Transfer von Bildungsinhalten und Entwicklung von E-Learning Einheiten für MI zur Stärkung der Handlungskompetenz.

 

Samer Schleusener ist seit 2006 Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, seit 2011 führt er die Zusatzbezeichnung Suchtmedizin. Im Zentrum für Psychiatrie Winnenden war er sechs Jahre als Oberarzt tätig und leitete dort eine Ambulanz und Tagesklinik mit stationären Betten am Standort Schwäbisch Gmünd. Er ist seit 2013 zertifizierter Supervisor und Trainer für Motivierende Gesprächsführung. Seit Ende 2016 ist Samer Schleusener stellvertretender Ärztlicher Direktor und Leitender Arzt in der Rhein-Jura Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bad Säckingen.

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