VORTRAG: Von Eulen und Nachtigallen, über die Bedeutung des Chronotyps bei psychischen Erkrankungen [3 CME beantragt]

Mi, 17.07.2019 16:30 - 19:00 Referent: Prof. Dr. Dr. Dipl.-Psych. Matthias J. Müller Rhein-Jura Klinik

Prof. Dr. Dr. Matthias Müller

Nach der v.a. genetisch mitbedingten individuellen zirkadianen Rhythmik werden verschiedene, relativ stabile Chronotypen unterschieden, wobei späte Chronotypen („Abendtypen“, „Eulen“) mit Präferenz für Aktivitäten in den Abendstunden offenbar ein höheres Risiko aufweisen, an psychischen Störungen zu erkranken als „Morgentypen“ („Lerchen“) mit einem Aktivitätsoptimum am Morgen. Die genauen pathophysiologischen Beziehungen zwischen zirkadianen Rhythmusstörungen und psychischen Erkrankungen sind noch weitgehend unbekannt. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass gemeinsame genetisch verankerte, molekulare Mechanismen auf der Ebene der biologischen Uhr und Störungen der Neurotransmittersignale eine gemeinsame Basis für zirkadiane Rhythmusstörungen und psychische Störungen bilden.

Ein Leben gegen die innere Uhr kann zudem zu einer Abschwächung der Zeitgeberwirkung des Lichtes und einer zunehmenden Desynchronisation des zirkadianen Systems mit dem äußeren 24-Stunden-Licht-Dunkel-Wechsel führen („social jetlag“). Die Folgen können Stimmungsschwankungen, ein gestörter Schlafzyklus, Müdigkeit und eine Störung der Aufmerksamkeit, aber auch ein vermehrter Substanzkonsum sein. Zudem scheint insbesondere für Abendtypen („Eulen“) – möglicherweise aufgrund einer anhaltenden „Desynchronisation“ innerer und äußerer Rhythmen – das Risiko z.B. für Suchterkrankungen, affektive Störungen, Schizophrenien, aber auch z.B. für Diabetes mellitus Typ 2 auch unabhängig von Schlafstörungen erhöht zu sein.

Im Vortrag werden wesentliche biologische Grundlagen der Chronotypen und ihre Korrelate vorgestellt. Die Auswirkungen fehlender Anpassung von äußeren und inneren Zeitgebern bei Gesunden und der mögliche Zusammenhang zwischen Chronotyp und psychischen Erkrankungen werden anhand vorliegender wissenschaftlicher Daten aufgezeigt. Abschließend werden die Möglichkeiten „chronobiologischer“ Prävention und Therapie diskutiert.

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